Wie möchten Sie im Ernstfall versorgt werden?

BG_PK_Beratung-MeinungenNachdem ich in den letzten Wochen einige Erlebnisse unserer Mandanten begleiten durfte, möchte ich Ihnen heute ein wenig Licht in unsere wirkliche Versorgungssituation bringen. Wie schätzen Sie die medizinische Versorgung in Deutschland ein?  Lassen Sie uns hierzu einen konkreten Fall gemeinsam beobachten.

Erst gestern telefonierte ich mit einem guten Freund, welcher mir von seinem jüngsten Erlebnis als PKV Patient berichtete. Er habe auf Grund Schmerzen im Bein (es stellte sich eine Thrombose heraus) bei einem Arzt angerufen und um einen Termin gebeten. Nach den üblichen Abwimmelversuchen der Sprechstundengehilfin versuchte er es mit dem Zauberwörtchen „Privat“ und Simsalabim wurde ihm die Türe aufgetan. „Jetzt gleich, oder passt es Ihnen besser heute Nachmittag?“ wurde schnell und freundlich geworben. Zum Glück muss diese scheinbare Ungerechtigkeit nicht jeder Patient mit einem dringenden Anliegen erleben, doch scheint sich diese Praxis immer weiter durchzusetzen. Erst diese Woche wurde in PLUSMINUS gezeigt, wie sich die Bürger über Notfallärzte und Ambulanzen eine eigene Lösung stricken. Und wen will es verwundern?

Wartezeiten & Behandlungsmethoden

Umgedreht bleibt die Frage: Würden Sie für 9,-€ die Stunde arbeiten? Bereits im Jahre 2006 war die Unterbezahlung von unseren Leistungserbringern Grundlage von großen Ärztestreiks. Konsequenz und Lösung: Pro Versichertenkärtchen im Quartal ca. 20,-€. Jedoch werden je Arzt nur ca. 800 Karten abgerechnet. So ergibt sich eine einfache Kalkulation und damit einhergehend die Frage nach der Motivation. Zusätzliches Einkommen kann durch Privatpatienten verdient werden. Diese bezahlen alleine für die Terminvereinbarung 10,23€ und mehr. Die Behandlung wird nach Aufwand jeweils separat abgerechnet.

Was erlebt ein Patient vor Ort in der Arztpraxis? Auch wenn die Unterschiede häufig durch professionelle Organisation nicht wirklich auffallen sind diese oft heftig. Frank berichtete zunächst wie er in einem schäbigen Raum auf einem Holzstuhl warten musste.  Nicht wirklich gut für seine Thrombose, doch wurde er bereits nach wenigen Minuten weitergeschickt. Ganz anders erging es wohl Mitwartenden. Einer wartete bereits den ganzen Tag auf seine Behandlung und beschwerte sich als Frank aufgerufen wurde. Wie unsolidarisch das sei. Privatpatienten so zu bevorzugen. Haben Sie sich schon einmal mit der Frage beschäftigt, was passieren würde, wenn kein PKV Versicherter mehr die Praxis besuchen würde? Könnte dieser Arzt, dieses Krankenhaus noch wirtschaftlich überleben? Wie unsolidarisch ist es da, weiterhin dieses System durch die freiwillige Mitgliedschaft in der GKV auszuhöhlen? Tatsächlich wurde mein Freund in ein anderes Wartezimmer – speziell für Selbstzahler gebracht. Was für ein Unterschied. Tiefer Teppich, teure Bilder und eine Couch, auf der es sich auch nach Stunden noch bequem sitzen ließ.

Viel wichtiger sind jedoch die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten. Während dem GKV Versicherten nur vom Gesetzgeber vorgegebene Diagnosemöglichkeiten und Leistungen geboten werden, kann der Privatversicherte sämtliche Errungenschaften der Wissenschaft nutzen. Zugegeben, hier gilt es selbst verantwortlich aus den dargestellten Angeboten zu wählen. Denn nicht alles, was gut und teuer ist muss auch sinnvoll sein. Umgedreht kann es schon beruhigend sein, den  Zugang zu allen Möglichkeiten zu wissen. Wer wünscht sich zum Beispiel nicht sofort ein CT oder eine Röntgenaufnahme ohne weiteren Aufwand. Aber auch bei Routineuntersuchungen kann es darauf ankommen, mit modernsten Instrumenten wesentlich genauere Informationen zu erhalten. Im Falle meines Freundes ergab sich durch diese viel weitreichendere Möglichkeit von einer OP absehen zu können. Mit teuren Medikamenten, die man dem gesetzlich Versicherten noch nicht einmal angeboten hätte, kann somit eine OP verhindert und eine schnellere Heilung ermöglicht werden. Grund genug für meinen Freund sich in seiner Entscheidung zur PKV bestätigt zu fühlen.

Leistungsumfang und Lücken der PKV BG_PK_Analyse_Checkup181

Dennoch musste ich die Freude etwas bremsen. Denn auch wenn die Erfahrungen bis zu diesem Punkt eindeutig die Werbung der PKV bestätigen, gilt es den Fall weiter zu beobachten. Denn auf Grund des „Kostenerstattungsmodells“ der PKV kann er sich nicht auf ein gesetzliches Minimum verlassen. Viel mehr entscheidet er sich frei für seine Behandlungsmethoden, reicht diese dem Versicherer ein und erst dort wird geprüft, welche Leistungen bei Abschluss im Kleingedruckten vereinbart wurden. Leider muss hier zugegeben werden, dass bei über 70% aller Tarife (Verträge bis zur Einführung von „Unisex“ im Jahre 2013) die Leistungen im Ernstfall oft schlechter als in der GKV abgesichert sind. Selbstverständlich genießen PKV Patienten die bessere Bezahlung von Ärzten und Krankenhäusern. Umgedreht sind jedoch gerade teure Heil- und Hilfsmittel sehr häufig wesentlich begrenzter als im gesetzlichen Rahmen vereinbart. Wenn überhaupt! Daher kann man nur immer wieder den Rat geben, sich mit seinem eigenen Vertrag einmal fachlich auseinander zu setzen. Welche Lücken stecken in Ihrem Vertrag? Nicht dass aus der aktuell empfundenen Zufriedenheit im Schadensfall eine echte Not entsteht.

Und wenn Sie das gerade nachlesen, empfehle ich Ihnen auch zu überprüfen in wie weit Reha-Leistungen überhaupt benannt sind. Auch diese fehlen in den meisten alten Verträgen oder sind nur rudimentär vereinbart. Darüber hinaus gibt es noch viele Punkte die vergessen wurden bei dem damaligen Beratungsgespräch zu hinterfragen und im Schadensfall zu echten Mehrbelastungen werden können. Daher empfehlen wir zur Überprüfung auch fachmännischen Rat einzuholen. Angebot Vertragsüberprüfung

Sie haben Ihren Tarif überprüft und sind entspannt da Sie jetzt sicher wissen, dass zumindest alle lebenserhaltenden Hilfsmittel und notwendigen Leistungen versichert sind? Sie haben dabei sogar festgestellt, dass Ihre Ärzte in begründeten Fällen frei abrechnen dürfen und Sie damit im Ernstfall- also wenn es wirklich darauf ankommt – auch weltweit zu anerkannten Spezialisten fliegen können?

Besonderheit überhöhte Arztrechnungen

Dann gilt es als letzten Punkt einen gerade in letzter Zeit immer stärker zu beobachtenden Vorgang zu beobachten. Allein in unserer Kanzlei hatten wir in den letzten 6 Monaten dreimal Ärger mit der Abrechnung von Meniskusoperationen. Eine Besonderheit? Nein, auch von Kollegen erfahren wir immer wieder ähnliche Erlebnisse und selbst der Vorstand eines Versicherers konnte uns gegenüber eine erlebte Praxis bestätigen. Auf Grund der oben bereits beschriebenen, geringen Bezahlung durch die GKV versuchen scheinbar zunehmend mehr Ärzte bei Privatliquidationen überhöhte Preise abzurechnen. Teilweise scheinen die Positionen sogar in den Abrechnungsprogrammen der Verrechnungsstellen schon so vorprogrammiert zu sein. Anders konnte es sich mein Gesprächspartner nicht erklären, als dass er von bestimmten Abrechnungsstellen standardisiert überhöhte Rechnungen erhalte. Sobald der Versicherer daraufhin reklamiere käme postwendend am nächsten Tag ein Vergleichsvorschlag. Immer noch überteuert, aber mit der implizierten Frage, ob man nun gerichtlich einen Vergleich aushandeln wolle, oder sich lieber auf die Summe einige. Dafür gibt es keine rechtliche Grundlage. Doch welcher Patient möchte schon kurz nach der Behandlung, mit seinem Arzt in eine Diskussion um Rechnungen einsteigen? Zumal wohl die wenigsten Versicherten auch ausreichend gerüstet scheinen ohne Anwalt eine gütliche Lösung zu erringen. Daher empfehlen wir hier ausdrücklich größere Rechnungen immer zuerst an den Versicherer zu senden um erst nach der dortigen Prüfung diese zu begleichen. Hochwertige Versicherungsgesellschaften bieten hierfür sogar spezielle Serviceleistungen bis hin zur Übernahme der Abrechnungsmodalitäten und einem speziellen Patientenrechtsschutz an.

Wenn dann noch die Betreuung durch den Abschlussberater eine echte Unterstützung darstellt, kann eine wirkliche Lösung auch langfristig Spaß machen.

Fazit:

Die medizinische Versorgung unterscheidet sich nicht allein durch die Wartezeiten, sondern viel wichtiger in der tatsächlichen Versorgung. Um hier optimal versorgt zu werden gilt es angemessene Bezahlungen zu ermöglichen. Ob dies in alten Tarifen der PKV auch bei ernsthafteren Erkrankungen wirklich gegeben ist muss rechtzeitig überprüft werden. Sonst wird aus einer aktuellen Zufriedenheit im Ernstfall auch noch ein wirtschaftlicher Notfall.

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